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Geschichte

 

 Geschichte Hotel „die Post“, aufgezeichnet von einer Enkelin des Posthalters „Reitschuster“

Es war die Zeit, als Napoleon die blutige Kriegsfackel in unsere geliebte Heimat warf. Die Franzosen kamen nicht gerade als Freunde. In Zusmarshausen konnte man ja zufrieden sein, aber an anderen Orten hausten sie fürchterlich. Im Oktober 1805 wurde eine Menge gefangene Russen hereingetrieben und in der Kirche eingesperrt. Dort kochten sie in großen Kesseln; wie das Gotteshaus nachher ausgesehen hat, kann man sich denken. Die Russen konnten das Stehlen nicht lassen, so streng auch Diebstahl bestraft worden ist. Wie sie einzogen stand mein Ahnherr auf der Treppe seines Hauses; er hatte silberne Schnallen auf den Schuhen; ehe er sich wehren konnte war der Russe verschwunden. 

Mein Ahnherr war damals Posthalter und Bürgermeister (Reitschuster). Gegenüber der Post liegt das Rathaus. Dort wurden die Franzosen einquartiert, ein großer Teil von ihnen war durch die Gewaltmärsche bei Schnee und Regen ungeheuer erschöpft. Plötzlich brach unter ihnen eine ansteckende Krankheit aus, in welcher sehr viele starben. Die Gefahr der Ansteckung lag für die Bewohner er Post sehr nahe, allein der Posthalter trug bei Tag und Nacht glühende Stähle herum, auf die er fortwähren Eisen goß. So ging auch diese Zeit glücklich vorüber. Mein Ahnherr hat veranlasst, dass die Franzosen eine gute Strecke außerhalb begraben wurden. Dort wurde ein Hügel aufgeworfen, ein Kreuz mit Christusbild errichtet und ein Lindenbaum hinter das Kreuz gepflanzt. Zu beiden Seiten kamen einige Pappeln zu stehen.

Eines Tages kam auch Napoleon, der große Feldherr und Staatenverteiler in die Post und blieb 3 Tage lang. Man musste die Tische zusammenrücken, damit Napoleon mit seinen Generälen die Landkarte studierte. Alles im Haus musste ganz still und ruhig sein, damit die Herren nicht gestört wurden. Die Generäle waren in glänzender Uniform, der Kaiser dagegen trug einen einfachen, grauen Überrock und den Schiffhut, welchen erquer aufsetzte.
Von hier aus begab sich Napoleon am 18. Oktober 1805 ins Hauptquartier nach Kloster Elchingen und dann, nachdem die blutige Schlacht zu seinen Gunsten entschieden war, nach Ulm, das sich noch am gleichen Tag schmächlich ergab. 25000 Mann und 18 Gerneräle streckten das Gewehr, 60 Kanonen und 40 Fahnen wurden erbeutet.
Napoleons erste Gemahlin, Josephine, war zuvor mit Eugen Beauharnais verheiratet, letzterer wurde während der Revolution 1795 mit dem Fallbeil hingerichtet. Aus dieser Ehe waren die Kinder Eugen und Hortense entsprossen.
Hortense verheiratete sich mit einem Bruder von Napoleon, den der letztere zum König von Holland bestellte. Aus dieser Ehe erwuchsen 2 Knaben. Der Jüngere starb früh, der ältere kam später als Napleon III. nochmals zur Herrschaft, war mit seiner Gemahlin Eugenie die treibende Kraft zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und wurde in Sedan gefangengenommen. Napoleon III. lebte in seiner Jugend viel in Augsburg, wo seine Mutter als Witwe in der Nähe der Hl. Kreuzkirche in einem Palast wohnte.
Die Herzogin hat eine Verwandte von uns für die Münchner Bühne durch den erstaten Sänger in Paris zur Sängerin ausbilden lassen, die hohe Protektorin sorgte für alles. Für eine Begleiterin, eine prachtvolle Wohnung, Ausstattung für die Reise und Aufenthalt, kurz, die herzögliche Fürsprecherin war auch auf das kleinste bedacht.
Nach einer kleinen Abweichung zurück zu dem großen Korsen!

Nachdem Napoleon seine Ehe mit Josephine Beauharnais gelöst hatte, heiratete er eine österreichische Erzherzogin, Maria Luise, stand aber zu Josephine stets in freundschaftl. Verhältnis. Maria Luise kam auf ihrem Zuge nach Paris ebenfalls durch Zusmarshausen.

Von der großartigen, pomphaften Aufmachung war hier noch lang die Rede.
Man erinnerte sich dabei unwillkürlich an die glanzvolle Durchreise der österreichischen Erzherzogin Marie Antoinette, die im Frühjahr 1770 unseren Markt berührte. Der Aufwand war bei der bekannten Prunkliebe des Wiener Hofes damals noch größer. Jeder Posthalter , dessen Pferde auf dem Wege gebraucht wurden, bekam ein silbernes Posthorn. Es war die Hochzeitsfahrt der Erzherzogin zum Dauphin nach Frankreich, dem späteren König Ludwig XVI. 25 Jahre danach verbluteten beide auf dem Schafott unter den Gröhlen des Pariser Pöbels. Der Bruder von Marie Antoinette, Kaiser Josef, rang in der Hofburg von Wien die Hände, ohnmächtig, den entsetzlichen Königsmord zu verhindern.
Aber auch das Schicksal von Marie Luise war ein ähnlich trauriges. Nach der Verbannung Napoleons trennte sie sich von ihrem Gemahl und verbrachte ihre Tage in Einsamkeit.
Auch der König von Württemberg verweilte in der Post. Er hatte eine bayerische Prinzessin zur Frau. Es war eine unglückliche Ehe. Der König kam mit seiner Frau nie ohne Zeugen zusammen. Die Königin liebe ihren Gemahl. Als er eins für längere Zeit verreist, winkte sie lange vom Fenster aus nach. Tränen standen in ihren Augen, doch der König schaute nicht um nach ihr. Die Ehe wurde gelöst. Nach München zurückgekehrt, vermählte sich die Prinzessin mit Kaiser Franz von Österreich. Auch Kaiser Franz machte einmal in der Post Halt.
Besonders gut gefiel es hier aber dem Grafen von Württemberg. Er mietete sich immer gleich für längere Zeit im Fürstenzimmer, einem in blauem Grundton gehaltenen freundlichen Raum mit vier Fenstern ein und benutzte das kleine nebenliegende Kabinett als Schlafzimmer. Der Graf war ein großer Freund des Bieres. Besonders mundete ihm Postbräu. Er nahm sich immer ein Fässchen im Packwagen mit nach Stuttrgart.
Der russische Zar Alexander II, ein noch sehr junger, bildschöner Mann quartiere sich ebenfalls in der „Post“ ein, kurze Zeit darauf reiste seine Braut, eine hessische Prinzessin, durch Zusmarshausen. Mit den Russen erlebte man wenig Freude, besonders die Großfürsten waren stolz und kalt und behandelten die Leute wie Luft.
Herren aller Länder kehrten im Gasthof „Die Post“ ein. Recht gut erinnere ich mich an eine Gesandtschaft aus Griechenland in Nationaltracht. Ich stand als kleines Mädchen neugierig im Gang; da nahm mich ein Grieche mit in seine Gesellschaft und ich durfte den Reis mit ihm essen. Ob ich mich recht gefürchtet habe weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall waren sie alle recht gut mit mir. Dann zogen Türken in ihrer prächtigen Landetracht durch, der Duft ihres köstlichen Rauchtabaks durchflutete das ganze Haus. Aber auch Perser und Brasilianer kamen und gingen.
Die einzige Poststrecke von Wien nach Paris, in die Bäder Baden-Baden, Wildbad, usw. führte durch Zusmarshausen. Es gingen täglich zwei Eilwagen, jeder mit vier Pferden bespannt, sie waren viersitzig und äußerst bequem. Außerdem gingen zweimal ein zweispänniger Packwagen ab, der Postillion saß auf einem ganz kleinen Sitz und hatte hinter sich das Felleisen von etwa einem Meter Breite und eineinhalb Meter Länge. Auf diese Weise wurden Briefe, kleine Päckchen und Zeitungen in die weite Welt befördert. Häufig kamen auch die Frachtwagen , hoch aufgepackt, mit einer blendend weißen Plane überdeckt, acht bis zehnspännig durch Zusmarshausen. Meist blieben die Boten über Nacht in der „Post“. Ein eigener Mann war aufgestellt, welcher nach Eintritt der Dunkelheit Ankommenden mit einer Laterne zünden musste. Hiervon rührt noch heute in Zusmarshausen der gebräuchliche Hausname „beim Botenzünder“. Ein Andrer hatte die Aufgabe die Wagen zu bewachen. Daher kommt der heute noch gebräuchliche Hausname „beim Wagenhüter“.

 


Für die Handwerksleute, besonders Schmiede und Wagner, dann für die Postillione und Posthalter, überhaupt für den ganzen Markt, war das Getriebe auf der „Post“ eine ergiebige Einnahmequelle. Aber die Leute hielten ihr Erspartes zusammen und wurden wohlhabend dabei.

Als sich aber mit einmal die Danmpfrosse auf die Schienen wagten, sank die ganze Herrlichkeit ins Grab, aus dem sie nie mehr auferstehen wird. Mit ihr der holde Traum meiner Jugendtage –
Erinnerung   oh, Erinnerung

In besonders herzlichen Andenken wird in Zusmarshausen König Max I für immer bestehen bleiben. Es wird selten einen liebenswürdigeren und gütigeren Herrscher gegeben haben, als ihn. Schon als Kurfürst von der Pfalz hatte er die Herzen aller ohne Unterschied des Standes gewonnen. Die Pfälzer nannten ihn nur den guten Vater Max. König Max war in der „Post“ wie zuhause. Ausnehmend freundlich und wohlwollend war sein Verhältnis zu meinem Großvater, dem „Posthalter“. Die Augsburger mochte er nicht. Diese hatten ihn einmal beleidigt. Vor Augsburg ließ er immer umspannen und fuhr nach Zusmarshausen, um dort zu übernachten. Eines Tages berührte König Max Zusmarshausen wieder auf der Reise nach Baden-Baden. Meine Tante Luise, damals ein kleines Mädchen, saß mit dem Strickzeug in der Hand auf der Treppe „zur Post“. Der König scherzte lustig: „Nun, strickst du mir ein Paar Socken, bis ich zurück komme? Schüchtern sagte Luise zu. Natürlich glaubte jeder, der König glaubte längst nicht mehr an die Socken. Aber vorsichtshalber wurden dem König auf Wunsch des Vaters ein Paar weiße Socken angefertigt, das dann mit einem blauen Band umschlungen wurde. Als nun der Vater Max zurück kam, fragte er, kaum aus dem Wagen gestiegen: „Wo sind meine Socken?“ Stolz wurden dem König die Socken übergeben und die Töchter des Posthalters wurden reich beschenkt.